Redebeitrag zum Stand der Deutschen Einheit

In der Debatte zur Vorstellung des Jahresberichts der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit hat Linda Teuteberg am 27. September 2018 für die FDP-Bundestagsfraktion gesprochen.



„Wir brauchen ein großes gesamtdeutsches Gespräch auf Augenhöhe. (...) Die Liebe zu unserer freiheitlichen Verfassung und die zu den eigenen Landsleuten vertragen sich sehr gut.", so Linda Teuteberg in ihrem Redebeitrag am 27. September 2018 in der Debatte des Deutschen Bundestages zur Vorstellung des Jahresberichts der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit. 


Zur aktuellen Debatte um den Stand der deutschen Einheit äußerte sich Teuteberg: „Der Bericht zum Stand der deutschen Einheit und auch die Debatte darüber in diesem Haus kranken daran, dass wir uns in erster Linie mit der Frage beschäftigen, welchen Aufholbedarf die ostdeutschen Länder haben. Vor allem in ökonomischer Hinsicht. Weshalb wird die deutsche Einheit allzu oft als Geschichte von Fehlern, Defiziten, von Aufholprozessen erzählt? Dabei gerät Wesentliches leicht aus dem Blick."


Teuteberg fuhr fort: „So schwer es uns manchmal fallen mag, es zu beschreiben: Es gibt etwas, das uns verbindet. Von außen erkennt man das manchmal besser als bei uns im Tagesgeschäft. Ich war in der letzten Woche mit einigen Kollegen aus anderen Fraktionen in Washington. Auch dort wurden wir gefragt: Was macht euch als Deutsche eigentlich aus? Wofür steht ihr? – Dass wir ein Phänomen nicht ohne Weiteres, nicht exakt und nicht abschließend beschreiben können, bedeutet nicht, dass es nicht existierte. Wir sind uns so viel ähnlicher, als wir manchmal denken."


„Alles beginnt mit Neugier, mit Interesse aneinander."


Teuteberg: „Ostdeutschland und Ostdeutsche sind genauso vielfältig wie andere Regionen Deutschlands und ihre Bewohner. Doch und zugleich (...) gibt es Besonderheiten. Es gibt besondere Probleme, die sich allerdings im Osten unseres Landes manchmal einfach stärker, schneller und flächendeckender beobachten lassen. Das gilt für vieles; ich nenne hier nur das Stichwort „demografischer Wandel“, aber auch manche Erscheinungsformen der Demokratieverachtung. Für mehr gesellschaftlichen, mehr inneren Zusammenhalt brauchen wir ein großes gesamtdeutsches Gespräch auf Augenhöhe. Lassen Sie mich einige Punkte skizzieren, die zum Gelingen dieses Dialoges beitragen: Alles beginnt mit Neugier, mit Interesse aneinander. Hören wir einander zu! Für Herablassung, für Überlegenheitsgefühle oder auch Minderwertigkeitskomplexe besteht auf keiner Seite Anlass. Es ist niemandes Verdienst, wo und wann er oder sie geboren wurde.


Billigen wir uns gegenseitig so viel Toleranz und Sensibilität in der Wortwahl, so viel Differenzierungsfähigkeit und Klarheit zu, im Umgang auch miteinander, wie wir jeweils von anderen erwarten und bei den Äußerungen anderer bereit sind aufzubringen.


(...) als 1989 '40 Jahre Grundgesetz' gefeiert wurden, sagte Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Haß auf die anderen." Diese Liebe zu den Seinen sollte uns ein intensives gesamtdeutsches Gespräch wert sein. Und lassen Sie uns dabei nicht der vielleicht typisch deutschen Neigung nachgehen, unnötige Gegensätze zu konstruieren. Die Liebe zu unserer freiheitlichen Verfassung und die zu den eigenen Landsleuten vertragen sich sehr, sehr gut. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben sie gar vorausgesetzt."



Der Redebeitrag im Video